Schüler > Erfolgsgeschichten > Jawad bei VollCorner Biomarkt München

Vom Praktikanten zum stellvertretenden Filialleiter

Als Jawad H. nach seiner Flucht aus Afghanistan vor zehn Jahren in Aachen aus dem Bus stieg und mit den Worten „Herzlich willkommen in Deutschland“ begrüßt wurde, war der 16-Jährige einfach nur entsetzt: „Deutschland? Ich wollte nach Germany.“ Das Missverständnis hat sich schnell geklärt und auch sonst ist Jawad längst angekommen in dem Land, dessen Staatsbürger er inzwischen ist.

Jawad beim Auffüllen der Lebensmittel

„Wo Jawad ist?“ Die Kollegin überlegt einen Moment. „Ich glaube, der Chef ist hinten im Lager.“ Dort ist er tatsächlich und korrigiert die Aussage sofort: „Nicht der Chef, ich bin stellvertretender Filialleiter hier.“ Jawad ist ehrgeizig, sehr sogar, aber sich mit Lorbeeren schmücken, die er sich (noch) nicht verdient hat, das geht für den 26-Jährigen gar nicht.
Seine Karriere ist auch so beeindruckend genug: Vor zehn Jahren kam er von Afghanistan nach Deutschland, lebte drei Monate in einem Erstaufnahmelager, zog als minderjähriger unbegleiteter Flüchtling in eine WG mit 13 anderen Jugendlichen, absolvierte einen Sprachkurs, besuchte die SchlaU-Schule in München, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, jungen Geflüchteten zum Schulabschluss zu verhelfen, bestand den Quali und hatte immer vor allem einen Traum: Arzt werden wie sein Vater, der in Afghanistan getötet wurde.

Ein Praktikum zeigte Jawad seinen wahren Traumberuf

Das Schulpraktikum? Machte Jawad natürlich im Krankenhaus. Und dann? „Es hat mir ganz einfach nicht gefallen. Es war mir zu kalt, zu unpersönlich, viel zu weit weg von den Menschen.“ Ob es daran lag, dass er Arzt und nicht Pfleger werden wollte, oder daran, dass er auf seiner dreimonatigen Flucht genug Leid und Elend für ein ganzes Leben gesehen hat – Jawad weiß es bis heute nicht. Nur, dass ein Plan B hermusste. Weil seine damalige Betreuerin regelmäßig bei VollCorner einkaufte, einer Münchner Bioladen-Kette, fragte sie kurzerhand dort nach einem Praktikumsplatz für ihren Schützling.

Jawad durfte Probe arbeiten – und bekam nach zwei Wochen einen Ausbildungsplatz angeboten. Den hat er 2009 angetreten und drei Jahre später als Einzelhandelskaufmann und mit der mittleren Reife abgeschlossen. Schon nach einem Jahr übernahm er eine eigene Abteilung, seit 2017 ist er stellvertretender Filialleiter und lernt abends fürs Abitur und den Abschluss als Handelsfachwirt. Seine IHK-Prüfung zum Ausbilder steht ebenfalls kurz bevor. Sie ist aber eher eine Formsache. Längst bildet Jawad selbst Lehrlinge aus, darunter einen jungen Geflüchteten aus Afghanistan.

Text: Isabella Huber
Fotos: Andreas Müller Fotografie


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