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Dumbia bei HORSCH Maschinen

Vor drei Jahren floh Dumbia D., 20, aus der Elfenbeinküste über die Türkei nach Deutschland. Im September hat er beim Landmaschinenhersteller HORSCH Maschinen GmbH in der Oberpfalz eine Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik begonnen. Zwei Sprachen spricht Dumbia fließend – Französisch und Bambara – mit der dritten kämpft er noch: Deutsch. Und auch wenn er damit im Alltag längst prima klarkommt, die Fachbegriffe, die er in der Firma und der Berufsschule lernt, haben es in sich.

Manche Fragen sind einfach dämlich, auch wenn Dumbia zu höflich ist, sich das anmerken zu lassen. Wie er als 17-Jähriger allein aus der Türkei nach Deutschland gekommen ist? Zu Fuß natürlich. Über Bulgarien, Serbien, Ungarn, Österreich. Irgendjemand wusste immer, wie es weitergeht. Dumbia ist katastrophenlos, er nimmt das Leben, wie es ist, weil es keinen Sinn hat, sich über Dinge aufzuregen, die er nicht ändern kann. Dumbias Kindheit und Jugend sind trotzdem meilenweit entfernt von dem, was wir hier normal finden. Sein Vater ist schon lange tot, die Mutter hat er zum letzten Mal als Fünfjähriger gesehen. Er wuchs bei einem Freund seines Vaters auf, der ihn in die Türkei begleitete. „Bleib hier, ich komme wieder“, meinte er dann – und kam nie wieder. Zwei Jahre lang hat Dumbia in der Elfenbeinküste eine Koranschule besucht. Lesen, schreiben, rechnen? Biologie, Mathematik? Kennt Dumbia alles nicht, beziehungsweise kannte er nicht, bis er nach Deutschland kam.

Berufsschule, Praktikum, Auszubildung zur Fachkraft für Metalltechnik

 

Nachdem er vom Flüchtlingslager in eine betreute WG zog, besuchte er zwei Jahre eine ausbildungsvorbereitende Berufsschule. Und hatte anschließend richtig Glück. Die Firma HORSCH Maschinen GmbH lud die Jugendlichen der Berufsschulklasse zu einem Praktikum ein und wollte anschließend 20 junge Geflüchtete ausbilden – zusätzlich zu den bereits eingestellten Lehrlingen. Aus sozialer Verantwortung, „aber auch, weil wir expandieren und damit immer Bedarf an qualifizierten Facharbeitern haben“, sagt Ausbildungsleiter Anton Grauvogl. Denn auch danach sollen „alle Schutzsuchenden genau das bei uns finden: Schutz, eine Zukunft in Sicherheit.“ Aus 20 Flüchtlings-Azubis sind zehn geworden, auch weil der Betreuungsaufwand höher ist, als gedacht. Dabei ist die Integration der Jugendlichen das geringste Problem, findet Grauvogl, viel anstrengender sind Behörden, Ämter, Vorgaben. Einen Führerschein zum Beispiel kann hierzulande nur machen, wer gültige Papiere hat – und die haben anfangs die wenigsten Flüchtlinge. Deshalb ist schon die Fahrt zur Arbeit ein Organisationsaufwand, „den unsere Geflüchteten aber souverän stemmen.“ Doppelt so viel lernen, sich auch am Wochenende in Lerngruppen die Fachbegriffe reinpauken, dazu das Leben in einem fremden Land ohne Familie stemmen, Anton Grauvogl ist begeistert von seinen Azubis. Dumbia sieht es pragmatisch: „Ich will hier einfach nur in Sicherheit leben, freundlich sein – und lernen, damit ich irgendwann Ingenieur werden kann.“

Text: Isabella Huber
Fotos: Andreas Müller Fotografie

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